„Ich bin kein Gedankenleser.“

Projektbeschreibung

Ein Blogbeitrag von Linus Duschl

 

PR & politischer Journalismus – Eine verhängnisvolle Affäre?
Die Studierenden des Freifaches PR & politischer Journalismus – Eine verhängnisvolle Affäre? staunten nicht schlecht, als der Mann der Stunde, Christian Wehrschütz, via Skype in der Lehrveranstaltung auftauchte. Der Ukraine-Korrespondent nahm sich Zeit, mit den Studierenden der FH. St. Pölten über die Situation in der Ukraine, Schwierigkeiten in der Berichterstattung in Kriegsgebieten und das Spannungsfeld von PR und politischem Journalismus zu plaudern.

Christian Wehrschütz ist seit 2015 Leiter des ORF Auslandsbüros in Kyiv und seit Jahrzehnten als Krisenreporter unterwegs.

 

Einblicke in den PR-Krieg von Christian Wehrschütz
Die Ukraine habe in den letzten Jahren massiv in Kommunikationsnetzwerke investiert und laut Wehrschütz den „PR-Krieg“ durch perfekte Selbstinszenierung gewonnen. Dass die größte Krise Europas auf uns warten würde, wusste Wehrschütz schon seit dem 20. Dezember 2021. Seine Informationen bezieht er aus seinem jahrelange aufgebauten Netzwerk. Es sei schwieriger geworden, die Propaganda beider Kriegsparteien zu decodieren, die Ukraine veröffentliche beispielsweise keine Opferzahlen auf ihrer Seite.

Unterschied des Krieges im Vergleich zur Annexion der Krim 2014
Der Hass und die Feindschaft zwischen den beiden Völkern sei viel größer als 2014. Im Vergleich zum Jugoslawien-Krieg fehle die religiöse Komponente des Krieges komplett, da sowohl Russland als auch die Ukraine dem orthodoxen Glauben angehören. Keine dogmatischen, sondern machtpolitische Fragen stünden im Vordergrund. Außerdem habedieser Krieg eine geopolitische Dimension im Vergleich zu den Verfallskriegen im ehemaligen Jugoslawien.

Wie beschafft man sich Informationen im Krieg als Journalist?
Agenturen seien irrelevant, genauso die meisten anderen Medien, da die anderen Quellen so zahlreich seien, manchmal werde dennoch mit lokalen Journalisten zusammengearbeitet. Wehrschütz stützt sich auf sein Netzwerk, welches aus lokalen Organisationen, Produzentinnen und Produzenten und Telegram besteht. Seine Hauptinformationsquelle ist Telegram, ein sehr wichtiges Medium in der Ukraine. Man hantle sich bei der Recherche von Informanten zu Informanten. Jeder kenne irgendwen, so komme man an spannende Geschichten. Sprachkenntnisse seien hierbei aber essenziell. So erzählte ein Restaurantbesitzer Wehrschütz, dass er über 4000 Mahlzeiten pro Tag für Polizei und Streitkräfte zubereite. Die Gefahren heute im Krieg seien für Medienschaffende aber größer als 2014. Eine Drohne könne einen jederzeit unerwartet aus der Luft beschießen, eine völlig neue Gefahrensituation.

Wie lange dauert der Konflikt noch?
„Bis zu seinem Ende.“ Wehrschütz kann sich nicht vorstellen, dass Russland am 9. Mai eine Siegesparade feiern will, ohne vorher etwas vorweisen zu können. Die Russische Föderation werde versuchen, Entscheidungen herbeizuführen. Der Krieg könne aber noch Monate dauern, denn ein militärischer Erfolg der Russen sei keinesfalls garantiert, und ein Besatzungsregime aufzubauen, sei viel schwieriger, als Städte einzunehmen.

Wie schützen Sie sich und wie schaffen Sie es, neutral zu bleiben?
„Mit Splitterschutzwesten. Wir sind keine Selbstmörder, in gewisse Gebiete fährt man einfach nicht.“ Man sei gebunden an einen klaren gesetzlichen Auftrag, an dem der ORF gemessen werde. Bei der BILD-Zeitung entscheide hingegen die Blattlinie.Es sei außerdem ein großer Vorteil, keine familiäre Bindung in der Ukraine zu haben, es sei nicht der Krieg des Christian Wehrschütz, dadurch könne er mit bestem Wissen und Gewissen genauso wie bei einem schlichten Verkehrsunfall berichten. „Denn ob Krieg oder Verkehrsunfall, die Aufgabe eines Journalisten ist es, neutral zu berichten.“

Was denkt Putin?
„Ich bin kein Gedankenleser. Selbst wenn ich mit Putin verheiratet wäre, wüsste ich es wahrscheinlich nicht.“

 

An dieser Stelle ein großes Danke an Studiengangsleiterin Johanna Grüblbauer, welche das Freifach PR & politischer Journalismus ins Leben gerufen hat, unseren Lektoren Klaus Fröhlich und Johannes Kalteis sowie Christian Wehrschütz für seine Zeit.

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